Sonntag, Juli 16, 2017

Wie steht es eigentlich um die Skateszene?

In den letzten Jahre hörte ich immer, dass es mit Skateboarding bergab geht und die Skate-Industrie hart zu kämpfen hat. In Köln und in den Orte, welche ich zum Skaten besucht, hatte ich den gegenteiligen Eindruck. In Köln waren mega viele Skater unterwegs...egal ob am Kap, Lentpark oder in den Straßen. Wenn ich in Barcelona, Madrid, München, Berlin oder sonst wo war...immer waren überall Skater. Jetzt war ich aber auch oft zu Events bzw. speziellen Anlässen dort. Und klar...es sind riesen Städte und zu Barcelona und Skateboarding muss man ja nicht viel sagen.

In den letzten 3-4 Monaten hatte ich jedoch den Eindruck, dass in Köln skatetechnisch weniger los sei...am Kap war es oft ziemlich leer und auch der Lentpark war nicht mehr so knackig voll. Gibt es also mittlerweile doch weniger Skater in Köln (Deutschland, Europa, der Welt)?

Woran könnte das liegen? Stirbt vielleicht gerade eine starke Generation aus? Kommt keine starke Generation nach? Sind die aktuellen Skater nicht motiviert genug und chillen ab 25°C lieber am See?

Ich bin jetzt fast 38 Jahre alt und bin auch gerne mal im Schwimmbad...aber nach einem halben Tag im Stadionbad muss muss ich in der Regel noch 1-2 Stunden Rollen gehen. An Bundesligaspieltagen gehe ich sogar vor bzw. nach dem FC Spiel noch schnell ne Runde mit dem Board drehen. Auch im Strandurlaub bleibt das Board nicht Zuhause, sondern wird mindestens alle 2-3 Tage zu einer abendlichen Street-Session genutzt.

Hat sich das globale Höchstleistungs-Skateboarding zu sehr von den Normalo-Skatern entfremdet? Sind die Skater heute zu schnell demotiviert, weil sie merken, dass gut Skaten mit harter Arbeit verbunden ist? Haben gerade einfach zu viele Skater eine neue Freundin und müssen ihr Hobby spielen? Oder...sind gar die Olympischen Spiele es schuld? Nein...die sind mit Sicherheit nicht schuldig!

Für das Schrumpfen der Skateszene sprechen die zahlreichen Skateshop-Schließungen der letzten 2-3 Jahre. Dazu kommt, dass Events wie der "Go Skateboarding Day" in Köln in den letzten beiden Jahren ausgefallen sind. Scheinbar fühlt sich dafür niemand in der kölner Skatewelt verantwortlich. Klar...in den letzten Jahren fielen diese Tage auf einen Wochentag...aber...sowas kann man ja easy am darauffolgenden Wochenende nachholen.

Was gegen das Schrumpfen der Skateszene spricht sind die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets. Noch nie konnte man so schnell und einfach durch sein Skaten bekannt und erfolgreich werden wie heute.

Außerdem gibt es Land auf - Land ab extrem viele Skatevereine, in denen sich oft ältere Skater für die Skateszenen und die Schaffung von Skatemöglichkeiten einsätzen. In München geht ordentlich was ab...in Berlin sowieso...und auch in Köln steht der Verein nicht still.

Ebenfalls für eine aktive Skateszene sprechen die lokalen Videoprojekte der letzten Zeit. Überall in Deutschland werden Full Lenghts gefilmt. In meinen Augen sind es gerade diese Videoprojekte, die Skateboarding am Leben halten. Für Videos filmen motiviert ganz besonders und schafft es, dass Skater zusammen losziehen...andere Städte bereisen...andere Skater kennenlernen und somit Skateboarding erhalten. Gerade als ich das neue "VierZwei" Full Lenght anguckte, wurde mir deutlich, dass wahrscheinlich nichts auf der Welt die Skater so motiviert, wie es gemeinsame Videoprojekte tun. Man hat den Eindruck, dass alle Jungs im Video extrem gepusht waren für dieses Video Skateboarding zu leben. Wenn ich an die Filming-Zeit vor "CCAA" denke, dann spürte ich diesen Drive auch letztes Jahr in Köln. Jeden Tag im Skatepark skaten...das motiviert viel weniger als jede Streetsession. Und wenn man den ersten Trick für den nächsten Part gefilmt hat, dann geht dieser positive "Es muss immer weiter gehen!" Druck wieder los und man denkt viel zu viel an Tricks, Spots und was noch alles im eigenen Skateboarding möglich sein muss.

Mich würde extrem interessieren, wie andere Leute die aktuelle Entwicklung der Skatewelt in Deutschland sehen. Wie sieht es in andere Städten aus? Wie sieht es in Kleinstädten und auf dem Land aus? Woran könnte es liegen, dass Skateboarding momentan schrumpft? Oder...habe ich da einfach eine falsche Einschätzung und Skateboarding wächst?

Ich aktiviere deshalb mal die Kommentarmöglichkeiten zu diesem Post und würde mich freuen, wenn ihr informative und konstruktive Meinungen (Einschätzungen) schreibt.

1 Kommentar:

Wadim Mumber hat gesagt…

Servus,

interessante Sichtweise der Dinge.
Ich selbst komme aus Erftstadt und muss sagen, dass es zumindest hier keine “Szene“ gibt, die paar Longboarder und Hipster mit Billo-Cruisern mal ausgenommen. Leider ist man dann auch gezwungen, aufgrund von Spot-Mangel immer weiter weg zu fahren (Kap, North etc.)
Ich sehe das Problem unser „Community“ bei sozialen Kompetenzen:
Die meisten „coolen“ und lässigen Bros grüßen weder, noch scheren sie sich einen Dreck um Respekt und Anstand...
Komischerweise trifft man dieses Verhalten in ländlicheren Parks eher weniger (z.B Aachen). Ist aber meine persönliche Meinung und vllt. liege ich damit falsch. Ich vermisse manchmal den Zusammenhalt.
Generell finde ich den Trend der Shop Schließungen sehr traurig, die Leuten stecken Herzblut und Geld rein und gehen nach paar Jahren bankrott, weil Bros lieber im Online Sale kaufen...

Vg